Georg Fröba

Band 1
Ausgabe 1
08.05.1945


Links
Geschichte der KPD in Hameln

Carl Hölscher
Otto TölleAlbert SohrKommunisten im Zuchthaus Hameln

Der RFB

Geschichte der DKP Gruppe Hameln

Aktuelles
Neue Hamelner Volksstimme

Georg Fröba, geboren am 27. November 1896, 1920 Eintritt in die KPD, 1924 Politischer Leiter des KPD-Unterbezirkes Darmstadt, 1927-1933 KPD-Abgeordneter im Darmstädter Stadtrat, 1933 mehrere Verhaftungen, Zuchthausaufenthalt, 1936-1942 Aufbau einer illegalen KPD-Organisation im Kreis Darmstadt, 1942 Verhaftung mit weiteren führenden KPD-Mitgliedern aufgrund einer Denunziation, 1944 Verurteilung und Hinrichtung

 

Über den behördlichen Umgang mit dem Widerstandskämpfer Georg Fröba (Mein Leben war ein Dienen und Kampf für die Interessen der Kleinen und Werktätigen)
 

Das sinngemäß wiedergegebene Zitat war der Schlußsatz von Fröba vor dem sogenannten Volksgerichtshof, der ihn am 6. September 1944 wegen Hochverrats und Feindbegünstigung zum Tode verurteilte. Seine Mitangeklagten Michael Weis, Hans Fillsack, Konrad Weigel und Michael Hass erhielten hohe Zuchthausstrafen. Bis zur Hinrichtung in Frankfurt-Preungesheim am 27. Oktober 1944 war Georg Fröba im Darmstädter Untersuchungsgefängnis Rundeturmstraße. Als ihn die SS in den frühen Morgenstunden des 27. abholte, klopften die Mitgefangenen mit Essbestecken an die Gitterstäbe ihrer Fenster, um ihre Trauer auf diese Weise zu bekunden.

Ein Gnadengesuch an den Reichsjustizminister kam für Georg Fröba nicht in Frage, denn er war sich bewusst, das die Faschisten ihm, der seinen Widerstandswillen mehrfach bewiesen hatte, keine Gnade gewährten. Er ging, wie er gelebt hatte, immer bereit, sein Leben einzusetzen für die Interessen der Werktätigen gegen Faschismus und Krieg.

Ein Darmstädter Arbeiterkind

Georg Fröba kam als fünftes Kind eines Arbeiters in Bayreuth am 27. November 1896 zur Welt. Die Familie zog bald darauf nach Darmstadt, wo er die Volksschule besuchte. Nach der Schulentlassung erlernte er das Schneiderhandwerk und arbeitete nach der Meisterprüfung selbständig. Sein politischer Werdegang begann mit dem Eintritt in die Unabhängige Sozialdemokratische Partei (USPD) nach dem ersten Weltkrieg. Nach dem Zusammenschluss der beiden sozialdemokratischen Parteien (SPD) gründete er mit einigen Gesinnungsgenossen die Kommunistische Partei (KPD) in Darmstadt. Außer Leitungsfunktionen in der Partei gehörte er der Stadtverordnetenversammlung an - bis zur gewaltsamen Auflösung 1933 durch die an die Macht gekommenen Faschisten.

Als Vorsitzender des deutschen Bekleidungsarbeiter-Verbandes im Kreis war er Mitglied des Gewerkschaftskartells. Während der kapitalistischen Wirtschaftskrise von 1929-1933 setzte er sich für bessere Lebensbedingungen der am meisten betroffenen Krisen-Opfer im Arbeitslosenausschuß ein. Georg Fröba war kein Mann der Worte, sondern der Tat. Die Eintopfküche in der Altstadt verdankte seiner Initiative ihre Existenz. In der Nacht zum 30. Januar 1933 verfasste er einen Streikaufruf, der die Arbeiter in den Darmstädter Betrieben aufforderte, den Machtantritt Hitlers zu verhindern. Die Verteilung in den frühen Morgenstunden vor den Fabriktoren unterband die Polizei, indem sie die Aufrufe beschlagnahmte und die Verteiler internierte. Am 6. März 1933, nach der Reichstagswahl, Übernahmen die Nazis die Macht in Darmstadt. Die NSDAP hatte in Darmstadt 50 Prozent der Stimmen erhalten. (Der Reichsdurchschnitt lag bei 45 Prozent.)

"Schutzhaft" im KZ Osthofen

Nach der Auflösung des Landtages folgte die Besetzung der Ministerien. Lang aufgestauter Hass und Siegesrausch der SA und SS entluden sich in willkürlichen Verhaftungen mit anschließenden brutalen Misshandlungen führender Repräsentanten der beiden Arbeiterparteien. Damit war deren Leidensweg nicht zu Ende, sie wurden nach dem damaligen Sprachgebrauch "in Schutzhaft" genommen und in das neu errichtete Konzentrationslager Osthofen überführt. Auch Georg Fröba entging nach seiner Verhaftung im März 1933 nicht diesem Schicksal. Nach der Entlassung wartete auf ihn und 47 mitangeklagte KPD-Mitglieder aus dem Frankfurter, Offenbacher, Wormser und Mainzer Raum ein Verfahren wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens. Vor der Hauptverhandlung in Kassel vor dem Oberlandesgericht war er seit dem 18. September 1933 im Gerichtsgefängnis Frankfurt in Untersuchungshaft. Die ausgesprochenen Urteile sollten abschrecken und waren sehr hart:

Georg Fröba erhielt zweieinhalb Jahre Zuchthaus, die er in Hameln an der Weser verbüßte. Als er das Zuchthaus verließ, folgte eine Zeit der Arbeitslosigkeit, in der er sich zweimal pro Woche bei der Polizei melden musste Später übte er seinen Beruf wieder als Selbständiger aus und lebte mehr schlecht als recht von den Aufträgen früherer Freunde.

Denunzation und erneute Verhaftung

Der Anfang vom Ende war seine erneute Verhaftung und die einiger Gesinnungsgenossen im Januar 1942 durch die Darmstädter Gestapo. Man beschuldigte sie aufgrund einer Denunziation wegen der Gründung einer kommunistischen Gruppe in Darmstadt. Nach einer zweijährigen Untersuchungshaft, die mit schweren Misshandlungen verbunden war, folgte die Verhandlung vor dem sogenannten Volksgerichtshof, der Georg Fröba zum Tode verurteilte. Die Mitangeklagten erhielten hohe Zuchthausstrafen. Ein ehemaliger Mithäftling, der seine Befreiung 1945 aus dem Zuchthaus Butzbach den Amerikanern verdankte, berichtete, das sich während der Verhandlung kein einziger Angeklagter verteidigen durfte; es war ihnen nur erlaubt, mit "ja" oder "nein" zu antworten. Dem Hauptangeklagten Fröba gestatteten die Richter nur das eingangs zitierte Schlusswort. Seine Leiche übergab man der Frankfurter Universitätsklinik, sie wurde vor dem Einmarsch der Amerikaner auf dem Frankfurter Hauptfriedhof eingeäschert.

Auf Antrag der KPD Darmstadt und seiner befreiten Leidensgenossen übergab die Friedhofsverwaltung 1947 eine Urne, die später auf dem Alten Friedhof an der Nieder-Ramstädter-Straße in einem Familiengrab beigesetzt wurde.

Die Georg-Fröba-Anlage

Am Ende des zweiten Weltkrieges war es nicht nur der Wunsch ehemaliger Mitstreiter und Freunde, einen repräsentativen Platz oder eine Straße in Darmstadt nach ihm zu benennen, auch Vertreter der sich konstituierenden Parteien und die Stadtverwaltung förderten dieses Anliegen. Die während der Naziherrschaft nach Horst Wessel benannte Anlage an der Odenwaldbrücke bot sich als geeignete Lösung an. Die Namen von Persönlichkeiten aus dem fortschrittlichen Bürgertum sowie sozialdemokratische und kommunistische Opfer der Nazijustiz erschienen auf den Straßenschildern. Die Mehrheit der Darmstädter Bürger hatte die neuen Namen akzeptiert, so das es keinen Grund gab, Änderungen vorzunehmen. Es blieb dem sozialdemokratisch dominierten Magistrat mit Oberbürgermeister Dr. Engel vorbehalten, den Straßenbauausschuß in den Jahren 1962-63 zu beauftragen, die Georg-Fröba-Anlage in August-Buxbaum-Anlage umzubenennen. Klammheimlich - ohne Ankündigung - verschwanden auch die Namen des in Buchenwald ermordeten 1. Vorsitzenden der KPD, Ernst Thälmann, und die Namen von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht aus dem Darmstädter Straßenbild. Auf Nachfragen antworteten die Verantwortlichen, es sei nur eine Vereinheitlichung der Straßenbenennung beabsichtigt, da doch Straßen in der Innenstadt und den Vororten gleiche Namen aufwiesen. Diese Begründung war dem Grundsatz nach einleuchtend. Das änderte aber nichts an dem Ergebnis, daß die nach Kommunisten wie z. B. Ernst Thälmann benannten Straßennamen nicht mehr existierten.

 

Das Leben von Georg Fröba ist in der Broschüre "Mein Leben war ein Dienen für die Kleinen und Werktätigen" beschrieben, herausgegeben von VVN-BdA, DKP, PDS und DFV in Darmstadt.


DKP_Hameln@gmx.net
09.05.2005
"Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt darauf an sie zu verändern." Karl Marx