Rudi Goguel

Band 1
Ausgabe 1
08.05.1945


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Geschichte der KPD in Hameln

Carl Hölscher
Otto TölleAlbert SohrKommunisten im Zuchthaus Hameln

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Neue Hamelner Volksstimme

Rudi Goguel wurde am 13.07.1937 in das Zuchthaus Hameln eingeliefert.

Am 27.9.1944 wird er aus der Strafhaft im Zuchthaus Hameln entlassen und zunächst in das KZ Sachsenhausen, danach in das KZ Neuengamme eingeliefert.

Goguel berichtet 1944 über die Situation im Zuchthaus Hameln:

"Inzwischen gibt unsere eigene Lage genug zu denken. Die Ernährung hat sich zusehends verschlechtert. Epidemien grassieren im Bau die Todesfälle im Lazarett mehren sich."

"Ein neuer Erlass verbietet das Fressen von Kartoffelschalen. Das Stehlen roter Steckrüben wird mit Strafe belegt. Gleichzeitig wird ein jeder, der sein Pensum nicht leistet, auf verkürzte Ration gesetzt."
 

"Das Chaos bricht über uns herein. Mit dem Vorrücken der Alliierten in Ost und West schmilzt der deutsche Lebensraum" von Woche zu Woche zusammen. Gefängnisse und Lager werden evakuiert und ins Landesinnere verbracht.
Hameln ist eine Art Umschlaghafen. Transporte aus dem Rheinland rollen an. Sie bringen eine Flut von Flöhen und Läusen mit, die sich mit Windeseile über das ganze Haus ergießen. Platz ist nicht mehr da. Es fehlt an Kleidung, an Lebensmitteln, es fehlt an allem. Von Ordnung und Menschlichkeit ist nun keine Rede mehr. Die Dinge wachsen uns über den Kopf: Die letzten Monate in Hameln werden schrecklich sein."
 

Rudi Goguel

Geboren 1908 in Straßburg, gestorben 1976. Bis zu seinem 6. Lebensjahr wuchs er in einer unkonventionellen bürgerlichen Familie auf. Sein Vater betrieb ein Musikkonservatorium. Nach der Scheidung seiner Eltern erlebte er schon früh die Trennung vom Elternhaus und verbrachte seine Schulzeit in der Fremde. Auf der Suche nach Gemeinschaft schloß er sich bald verschiedenen Jugendorganisationen an, zunächst den „Wandervögeln“, dann Ende der 20er Jahre einer der SPD nahestehenden Vereinigung. Da für ihn ein Musikstudium nicht zu realisieren war, absolvierte er nach dem Abitur eine kaufmännische Ausbildung. 1930 wurde er Mitglied der KPD und der revolutionären Gewerkschaftsopposition. Sein Engagement im kommunistischen Widerstand führte 1933 zur ersten Verhaftung. Er kam ins KZ Börgermoor, wo er die Melodie zu dem bekannten Moorsoldatenlied schrieb (Text: Johann Esser/Wolfgang Langhoff). Die Konzentrationslager Sachsenhausen und Neuengamme sowie das Häftlingsschiff „Cap Arcona“ waren weitere Stationen, über die er später in seinen Büchern berichtete. So widmete er sich nach dem Krieg vor allem publizistischen und politischen Aufgaben: ab 1946 als Redakteur des „Südkurier“, ab 1950 als Verlagsleiter des Zentralorgans „Freies Volk“, ab 1959 als Abteilungsleiter an der Humboldt-Universität für die Geschichte der imperialistischen Ostforschung. Er war Mitglied des Landesvorstandes der KP Südbaden und Mitbegründer der Lagergemeinschaft Neuengamme im Komitee der antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR.

Werke: Es war ein langer Weg. Ein Bericht (über die Zeit nach der Inhaftierung im KZ Börgermoor). Singen/Hohentwiel 1948. – Polen, Deutschland und die Oder-Neisse-Grenze. Berlin 1959. – „Cap Arcona“. Report über den Untergang der Häftlingsflotte in der Lübecker Bucht am 3. Mai 1945. Frankfurt 1972. – Antifaschistischer Widerstand und Klassenkampf 1933-1945. Bibliographie. Berlin 1974. –

Musikalische Kompositionen: Moorsoldatenlied, 1933.

Veröffentlichungen in: Juden unterm Hakenkreuz. Berlin 1973. – Intersong. Festival des politischen Liedes (Hrsg. Sieglinde Mierau). Darin von Goguel: Gedanken zum Lied der Moorsoldaten. Berlin 1973.

Veröffentlichungen über Rudi Goguel: Joachim Arndt: Der lange Weg des Rudi Goguel. DIZ-Nachrichten, Nr. 21. Papenburg 1999. – Joachim Arndt: Rudi Goguel. Eine politische Biographie. Dipl.-Arbeit. Berlin 1998. – Un-einheitlich. Biographien ehemaliger kommunistischer Häftlinge des Konzentrationslagers Sachsenhausen. Ausstellungsbegleitheft. Berlin 1998.

Sammlungen: Informationen und Dokumente im Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Emslandlager, Papenburg.

 


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09.05.2005
"Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt darauf an sie zu verändern." Karl Marx