Paul Lück

Band 1
Ausgabe 1
08.05.1945


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Leidvolle Erfahrung der "braunen Zeit"sollte eine Mahnung an die Jugend sein

Artikel aus der Westfälischen Rundschau Gevelsberg vom 18.Januar 1982

Gevelsberg.
(win) Auf ein bewegtes Leben kann der Gevelsberger Paul Lück zurückblicken. Am Waldfriedhof 1 ist der Pensionär beheimatet, der heute 75 Jahre alt wird. Der frühere Widerstandskämpfer sieht in der heutigen Situation Parallelen zur Zeit vor Hitlers Machtübernahme.
Der aufkommende Neofaschismus, die Wirtschaftskrise und die hohe Arbeitslosigkeit sind für ihn große Gefahren, denen man mit aller Kraft entgegentreten müsse. In diesem Zusammenhang zitiert er warnend den Satz eines amerikanischen Philosophen: "Ein Volk, das sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verurteilt, sie noch einmal zu erleben."
Der gelernte Schleifer Paul Lück bekam schon in Kinderjahren eine Abneigung gegen den Krieg. Als Sohn einer vielköpfigen Familie mußte er miterleben, wie zwei seiner Brüder im ersten Weltkrieg fielen. So war es für ihn nur eine logische Folge, daß er mit dem Aufkommen der Nazis 1930/31 dem Antifaschistischen Kampfbund (Antifa) und später auch der KPD beitrat. Paul Lück und seine Genossen - unter ihnen der damals untergetauchte Karl Polixa aus Gevelsberg, Eugen Müller (Schwelm) und August Leveringhaus (Hiddinghausen) - hatten erkannt, daß Hitlers Politik zum Krieg führe und deshalb bekämpft werden müsse.
Nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler erhielt Lück, der führend im Aufbau der Widerstandsgruppe in Linderhausen / Haßlinghausen / Hiddinghausen beteiligt war, im Sommer 1933 den Auftrag, geeignete Stellen für die geheime Herstellung von Druckschriften zu ermitteln. Er machte zwei Orte aus: einen oberhalb des Gevelsberger Strandbades, am Mesenwinkel, den anderen in Linderhausen-Scharlicke.
Die Druckschriften wurden im Kurierdienst verteilt bis hin nach Düsseldorf. Auf dem dortigen Hauptbahnhof wurde schließlich eine Kurierin von der Gestapo in Haft genommen, die dann in der berüchtigten Düsseldorfer SA-Folterkammer "auspackte". So wurde Paul Lück am 8.Juni 1934 verhaftet und zu zwei Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt. Am Tage seiner Entlassung aus der Haftanstalt Hameln, dem 8.September 1936, wurde er von drei Gestapo-Beamten abgeholt, die ihn auf Umwegen in das KZ Sachsenhausen transportierten.

 

Auch dort verbrachte er über zwei Jahre - die schlimmsten seines Lebens. Trotz strengsten Verbotes half er den Juden im Konzentrationslager, so dem bekannten Gevelsberger Kaufmann Fedor Rosenthal. Die Erinnerung an diese Zeit brachte ihm noch Jahrzehnte schlaflose Nächte, selbst heute ist er vor schlimmen Träumen nicht gefeit.
Am 18.November 1938 wurde Lück mit der Auflage entlassen, sich jeden zweiten Tag bei der Polizei zu melden. Schließlich mußte er sogar in den Krieg ziehen und geriet in französische Gefangenschaft.
Nach seiner Entlassung war Lück 25 Jahre bei der Verwaltung der Stadt und lange in ihrem Personalrat beschäftigt, vielen Gevelsbergern ist er als Gärtner des Waldfriedhofs bekannt. Noch heute ist der schon in frühen Jahren aktive Gewerkschaftler Mitglied der ÖTV und als aktiver Antifaschist in der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes.
Besonders möchte Paul Lück herausstellen, daß nicht nur einige Pastöre und Offiziere Widerstand leisteten, sondern daß vor allem auch Arbeiter von der ersten Stunde an zum Widerstand gegen Faschismus und Krieg antraten. Paul Lück sieht schwere Zeiten auf die Deutschen zukommen. Sein Appell an alle ist, sich der Friedensbewegung anzuschließen, um den alles vernichtenden Atomkrieg zu vermeiden: "Damit Deutschland nicht das Schicksal Karthagos erleide." - Nach dem dritten Krieg ist Karthago ausgelöscht worden.


Paul Lück berichtete persönlich, wie er die illegale Druckerei in Gevelsberg eingerichtet hat, während der ersten Stadtrundfahrt des antifaschistischen Arbeitskreises am 1. September 1990.
Das folgende Flugblatt hat ein Mitarbeiter des antifaschistischen Arbeitskreises im Archiv der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA) in Wuppertal gefunden. Es ist nach den dortigen Unterlagen im Raum Gevelsberg verteilt worden, könnte also auch in der Gevelsberger Druckerei hergestellt worden sein. Jedenfalls ist es auf einer derartig primitiven Maschine gedruckt worden, wie sie in Gevelsberg benutzt wurde.

 


DKP_Hameln@gmx.net
09.05.2005
"Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt darauf an sie zu verändern." Karl Marx