RFB -Rotfrontkämpferbund

Band 1
Ausgabe 1
08.05.1945

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Geschichte der KPD in Hameln

Geschichte der DKP Gruppe Hameln

Der RFB

Carl Hölscher

Otto Tölle

Kommunisten im Zuchthaus Hameln

Aktuelles

Neue Hamelner Volksstimme

Was war der Thälmannsche Rote Frontkämpferbund?

Am 4. Juli 2004 trafen sich Antifaschisten aus Thüringen und Sachsen, die sich zum fortschrittlichen politischen Erbe des Ro­ten Frontkämpferbundes bekennen, auf dem Simmersberg bei Schnett. Konkreter Anlaß war der 80. Jahrestag der Grün­dung der ersten RFB-Ortsgruppe. Vorbereitet wurde das Treffen von der Gruppe "Antifaschistische Aktionseinheit" bei der Thüringer Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten und dem Vorstand des Revolutionären Freundschaftsbundes e. V. (RFB).

Der am 31. Mai 1924 gefaßte Beschluß der KPD-Zentrale zur Gründung einer proletarischen Wehrorganisation kam nach dem Hallenser Blutsonntag zustande. Der "Deutsche Tag" am 11. Mai 1924 in Halle war der bisherige Höhepunkt militaristischer Aufmärsche und rechten Terrors zur Aushöhlung der bürgerlich-parlamentarischen Weimarer Republik. Die Polizei hatte das Feuer auf die protestierenden Arbeiter eröffnet. Es gab acht Tote und sechzehn Schwerverletzte.

In der KPD-Führung bestanden unterschiedliche Auffassungen: Die einen erhoben die Forderung nach einer antimilitaristischen Wehr- und Schutzorganisation, andere verlangten den Verzicht auf eine eigene proletarische Organisation und den Beitritt zum Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold; dritte wandten sich überhaupt gegen den Gedanken. Die KPD setzte kurzfristig eine Kommission zur Abwägung der Meinungen ein. Das Prüfungsergebnis wurde am 31. Mai bekanntgegeben. Die Parteibasis bejahte eine von der KPD geführte Wehrorganisation. Die zweite Variante erledigte sich schon durch die von der Reichsbannerspitze an alle Bezirksleitungen erlassene Richtlinie, Kommunisten den Eintritt zu verwehren. Der KPD - Beschluß legte auch fest, daß die Wehrorganisation zuerst in den Bezirken Großthüringen und Halle-Merseburg gegründet werden sollte, wo der schwarz-weiß-rote Terror besonders wütete und Erfahrungen der nach der Niederlage der Arbeiterregierungen in Sachsen und Thüringen verbotenen Proletarischen Hundertschaften vorlagen.

Nicht ein illegaler bewaffneter Verband, sondern eine revolutionäre Massenorganisation zur antimilitaristischen Agitation und Propaganda sowie zum Schutz von Versammlungen, Demonstrationen, politischen Aktivitäten, Gedenkstätten der Arbeiterbewegung und Parteizentralen sollte der Rote Frontkämpferbund werden - eine Antwort auf den zunehmenden Terror der Polizei sowie der militaristischen, nationalistischen und monarchistischen Verbände, von denen einige bzw. deren Nachfolgeorganisationen noch heute in der Bundesrepublik "Traditionspflege" betreiben.

Schon vor der Bildung der Provisorischen Bundesleitung des RFB Ende August 1924 setzten Gliederungen der KPD den Beschluß der Zentrale in die Tat um. In der Nacht vom 5. zum 6. Juli 1924 trafen sich Mitglieder der Partei, Jungkommunisten und parteilose Arbeiter zur proletarischen Sonnenwendfeier an der Jugendherberge auf dem Simmersberg bei Schnett in Thüringen. Anschließend wurde die erste RFB-Ortsgruppe (Hildburghausen) gegründet. Ebenfalls im Juli hatte in der KPD-Bezirksleitung Halle-Merseburg eine die Gründung des RFB vorbereitende Sitzung stattgefunden, an der Ernst Thälmann teilnahm. Am 31. Juli fand die konstituierende Versammlung in Halle im "Volks park" statt. Schon am 17. Juli war auch der RFB in Jena mit 200 Mitgliedern entstanden. In der ersten Augusthälfte folgten Merseburg, Weißenfels, Naumburg, Bitterfeld, Eisleben. Am 1. September bestanden in Halle-Merseburg bereits 71 Ortsgruppen mit ca. 2500 Mitgliedern, in Großthüringen 6 Ortsgruppen mit ca. 2000 Mitgliedern. Gruppen gab es auch in Berlin-Brandenburg, in der Lausitz, in Ostpreußen, im Erzgebirge-Vogtland, in Niedersachsen und in Baden.

Der rasche Aufbau des RFB zu einer proletarischen Massenorganisation mit über 150 000 Mitgliedern sowie deren politisch-ideologische Ausrichtung in der Auseinandersetzung mit der schwarzen und braunen Reaktion zeigte, daß der Kampfeswille der Proletarier trotz der Niederlage im Herbst 1923 nicht gebrochen war. Aus den Reichstagswahlen am 4. Mai 1924 war die KPD ungeachtet des gegen sie zwischen November 1923 und 1. März 1924 verhängten Verbots mit einem Stimmanteil von 12,6 % (3,7 Mio. Stimmen) gestärkt hervorgegangen.

In der Gründungsphase vereinte der RFB viele ehemalige Kriegsteilnehmer. Dieser Umstand führte wohl auch zur Bezeichnung Frontkämpferbund. Auf der 2. Reichskonferenz des RFB im Mai 1925 wurde die Bildung des Roten Jungsturms für Jugendliche, einer selbständigen Frauen- und Mädchenorganisation und der Roten Marine beschlossen.

Neben der politischen Schulungsarbeit spielten die sportliche Ertüchtigung und die Vermittlung militärischer Grund­kenntnisse eine entscheidende Rolle bei der Festigung der Organisation. Die Aufgabenstellung umfaßte die Massenarbeit in den Betrieben, auf dem Lande sowie unter der proletarischen Basis des Reichsbanners. Auf der 3. Reichskonferenz 1926 in Halle wurde diese sogar auf die Herauslösung irregeführter Werktätiger aus militaristischen Verbänden erweitert.

Auf der 4. Reichskonferenz 1927 wurde festgelegt, die Betriebsgruppenarbeit des RFB vor allem in den Schwerpunkten Rüstungsindustrie, Chemieunternehmen und Flugzeugbau zu verstärken.

Die Bundesführung unter Ernst Thälmann bemühte sich um die Überwindung sektiererischer Tendenzen im RFB. Sie betrachtete dabei die kritischen Hinweise Lenins zum ..linken Radikalismus" als Maßstab.

Zu den aufeinanderfolgenden Wahlkampagnen leistete der RFB seinen Beitrag.

Die Reichstreffen mit den disziplinierten Marschkolonnen, den Spielmannszügen, dem Gesang der Arbeiterlieder hatten zweifellos Einfluß auf die Herausbildung des Bewußtseins der ausgebeuteten Massen und stärkten deren Siegeszuversicht. Die Erziehung zum proletarischen Internationalismus und zur Bereitschaft, die Sowjetunion gegen eine imperialistische Aggression zu verteidigen, war Bestandteil der politischen Arbeit des RFB. Ernst Thälmann charakterisierte den Bund folgendermaßen: "Er ist seiner Zusammensetzung und Führung nach eine rein proletarische und in seinen Zielen und Bestrebungen eine revolutionäre Organisation des Klassenkampfes. Er ist keine kommunistische Organisation." Dem RFB gehörten viele parteilose oder anderweitig gebundene Arbeiter an.

Von 79 Mitgliedern der RFB-Ortsgruppe Hettstedt waren z. B. 4 Kommunisten und 75 Parteilose. 1925 hatte die Ortsgruppe Gleiwitz 123 Mitglieder, davon 25 Kommunisten, 30 Sozialdemokraten, 18 Angehörige des Zentrums, 50 Parteilose.

Am 4. Juli dieses Jahres wurden diese Aspekte beim Meeting auf dem Simmersberg als auch beim anschließenden Gespräch in der Jugendherberge vermittelt. Ein besonders bewegendes Ereignis krönte das Treffen: Der Herbergsvater holte die 1990 vor der Zerstörung bewahrte Gedenktafel aus dem Versteck. Eine Geste, die Mut machte und die Zuversicht stärkte, im Geiste des RFB weiterzukämpfen.

Gerd Hommel, Vorsitzender

des Revolutionären

Freundschaftsbundes e. V. (RFB)

 

Quelle: Rotfuchs, September 2004, Seite 4                                                                                                          


Ernst Thälmann

Zum V. Reichstreffen des Roten Frontkämpferbundes 1929

 

Auf nach Hamburg! Das ist die Losung aller Kameraden des Roten Frontkämpferbundes in ganz Deutschland.
 

Hamburg, das rote Hamburg, Hamburg auf den Barrikaden! Hamburg, das im revolutionären Klassenkampf in Deutschland sich immer einige Schritte selbst vor der Vorhut des Proletariats befindet. Hamburg, das deutsche Kronstadt. Von Kronstadt raste der Rote Oktober, die erste sieghafte proletarische Revolution, bis an die Grenzen Indiens, bis an die Grenzen Chinas, bis nach Wladiwostok. Von Kiel und Hamburg trug im November 1918 die revolutionäre Erhebung der Marine in der deutschen Revolution das rote Banner bis an den Fuß der Alpen. Kronstadt trug die proletarische Revolution bis zum Siege, der kühne Einsatz von Kiel und Hamburg konnte nicht durchdringen, er ist an der Flut des Sozialchauvinismus zerbrochen. Und dennoch, Hamburg bleibt hart und eisern. Am Ausgangspunkt der ersten Periode der Nachkriegsentwicklung, der Periode des ersten Ansturms im Bürgerkriege zum Sturze der kapitalistischen Herrschaft in Deutschland, erhebt die stolze und kühne eiserne Kohorte von Hamburg nochmals die Fahne der Revolution. Hamburg steigt auf die Barrikaden und kündet dem kapitalistischen Deutschland die Todfeindschaft bis zum letzten Atemzuge an. Dieses stolze und kühne, dieses eiserne und unüberwindliche Hamburg ist zum V. Reichstreffen des RFB die Gaststadt und der Treffpunkt. Kein Wunder, daß die Herzen höher schlagen, kein Wunder, daß die Pulse rascher fliegen, wenn die Kameraden über Hamburg sprechen.
 

Das IV. Reichstreffen in Berlin brachte Hunderttausend in die Reichshauptstadt, das V. Reichstreffen wird noch größere Massen nach Hamburg bringen. 1927 stellte die Reichsbahn 15, 1928 28 Extrazüge, um die Bataillone der roten Front zum Aufmarschplatz zu bringen. 1929 sollen es 42 Extrazüge sein. Diese Zahlen künden vom raschen Wachstum der kampfbereiten, revolutionären Front des deutschen Proletariats. Das ist nicht etwa nur eine stimmungsgemäße Radikalisierung, die sich in einer Stimmzettelflut bei Parlamentswahlen äußert, sondern eine tiefgehende, tatendurstige, bis zum letzten und äußersten kampfbereite Revolutionierung der Hauptschichten der deutschen Arbeiterklasse. Das ist das Besondere und Charakteristische in der gegenwärtigen Entwicklung, die dem V. Reichstreffen des RFB das besondere Gepräge gibt.
 

Die dritte Periode der Nachkriegsentwicklung, in deren erster Phase wir uns befinden, ist die Periode des erneuten revolutionären Aufschwungs in Europa, des revolutionären Aufstiegs, an dessen Spitze sich abermals das deutsche Proletariat befindet. Das ununterbrochene und ständige Anwachsen der kampfentschlossensten und opferbereitesten Truppen der roten Klassenfront zeigt sich bei den jährlichen Aufmärschen des RFB, den Meilensteinen im Revolutionierungsprozeß der deutschen Arbeiterklasse. Nicht gelegentliche Stimmenabgabe an einer Wahlurne, die nichts kostet und zu nichts verpflichtet, sondern die zu allem bereite Aufopferung und Hingabe für die Sache des revolutionären Befreiungskampfes, wie sie jährlich die Roten Frontkämpfer beweisen, das zeugt von der gewaltigen Wandlung, die sich gegenwärtig im deutschen Proletariat vollzieht.
 

Das V. Reichstreffen des RFB erhält sein Gepräge durch die besondere politische Situation, in der wir uns befinden. Eine neue tiefgehende Krise schüttelt und rüttelt das kapitalistische System.
 

In Paris stecken die Finanzbanditen aller kapitalistischen Großmächte die Köpfe zusammen, um das „deutsche Problem" zu lösen. Unlösbare Hoffnungslosigkeit! In Genf geben sich die Schaumschläger des gemeingefährlichen Volksbetrugs, genannt Abrüstungskommission, ein Stelldichein, um die letzten Vorbereitungen für die Organisierung des bevorstehenden imperialistischen Krieges zu maskieren. Und gerade diese Maskerade demonstriert besser als alles andere, wie einig sich die imperialistischen Weltmächte sind in dem Willen zum imperialistischen Raubzug gegen den ersten proletarischen Staat der Welt, gegen die Sowjetunion.
 

Der Krieg des Weltimperialismus gegen die Sowjetunion, gegen das stärkste Bollwerk des Kommunismus, ist aber nicht ein imperialistischer Krieg wie 1914 bis 1918, sondern er ist der ausgesprochenste Klassenkrieg, der Bürgerkrieg des Weltimperialismus gegen den Weltkommunismus. Niemand weiß das besser als die Weltbourgeoisie selbst. Der Organisierung und der Vorbereitung dieses Bürgerkrieges im Weltmaßstabe, diesem allgemeinen und allumfassenden strategischen Ziel, werden alle Mittel und Kampfmethoden der Weltbourgeoisie gegen das Welttproletariat ein- und untergeordnet.
 

Dem Raubzug gegen die Sowjetunion, diesem strategischen Hauptziel der Weltbourgeoisie, passen sich alle Hilfstruppen und Landsknechte des Weltimperialismus an. Ja, die Soldknechte, die reformistischen Lakaien der Bourgeoisie, sind bestrebt, ihre Brotherren in der Skrupellosigkeit und Entschiedenheit im Kampf gegen das Weltproletariat noch bei weitem zu überbieten. Sie sind die Vordersten und die Ersten in der Vorbereitung und Organisierung, im Schmieden von Abschlachtungsplänen gegenüber dem Proletariat. Die „Helden" der II. Internationale sind die eifrigsten Organisatoren des Interventionskrieges gegen die Sowjetunion, und in allen kapitalistischen Ländern zeigen sie der Bourgeoisie den Weg zur Niederwerfung der revolutionären Truppen des Weltproletariats. Der französische Sozialdemokrat Paul Boncour entwirft im Auftrage des Generalstabes der stärksten militärischen Macht des europäischen Kontinents den Plan zur „Mobilisierung des ganzen Volkes". Männer und Frauen, Kinder und Greise, der Mensch von der Wiege bis zum Grabe, sollen dem Kreuzzuge der kapitalistischen „Zivilisation" gegen den „barbarischen" Sozialismus der Sowjetunion dienstbar gemacht werden. Paul Boncour ist der Sprecher des Gesamtimperialismus auf der „Abrüstungs"konferenz des Völkerbundes gegen die einzigen ehrlichen Abrüstungsvorschläge Litwinows, des Beauftragten der friedensgewillten Arbeiter- und Bauernmassen der Sowjetunion.
 

Im Wettlauf der II. Internationale um die Gunst, die Anerkennung und um den Beifall der Weltbourgeoisie im blutigen Rüstungsgewerbe zur Abmetzelung des revolutionären Weltproletariats will die deutsche Sozialdemokratie nicht eine Handbreit hinter der französischen zurückstehen.
 

Rechte und „linke" Sozialdemokraten laufen um die Wette um die Gunst ihrer Brotherren. Rechte und „linke" Wehrprogramme werden produziert und angepriesen. Und vergnügt bescheinigt die Presse der Bourgeoisie ihre Zufriedenheit mit den Wehrprogrammen der deutschen Sozialdemokratie aller Schattierungen. Das Blatt der Börsenjobber, die „Vossische Zeitung", bestätigt ausdrücklich, daß das Wehrprogramm der Leviten ebenso annehmbar sei wie das der Mülleraner. Die Bourgeoisie hat rasch herausgefunden, daß die verschiedenen Wehrprogramme der deutschen Sozialdemokraten ein und dasselbe Gericht sind, nur in verschiedener Zubereitung, um so die verschiedenen Geschmäcker der kleinbürgerlichen und der proletarischen Anhänger, die sich noch in der Gefolgschaft der Bourgeoisie befinden, zu befriedigen.
 

Das politische Hochwasser in Deutschland hat die endgültige Erledigung des Wehrprogramms der Sozialdemokratie verhindert. Aber der Bourgeoisie brennt es unter den Nägeln. Wenn auch das von Wilhelm Dittmann erfundene Magdeburger Hochwasser ausgeblieben ist, so ist es eine andere Hochflut, die der Bourgeoisie keine Befriedigung, sondern Angst und unruhige Stunden bereitet: die steigende Flut der revolutionären Radikalisierung des deutschen Proletariats. Die Presse des Finanzkapitals und der Schwerindustrie, die „Deutsche Bergwerkszeitung", die „Kölnische Zeitung", die „Berliner Börsenzeitung", die „Deutsche Allgemeine Zeitung" usw., ist angefüllt mit Hilferufen, Pogromstimmungsmache, mit Verleumdungen und Lügen, mit Aufforderungen zum Bürgerkrieg gegen die ansteigende revolutionäre Flut. Reichswehr und Polizei, Staatsanwalt und Zuchthaus, Gewerkschaftsbürokratie und Sozialdemokratie und allen voran Faschismus und sozialdemokratische Minister sollen helfen, das „rote Gespenst" zu bannen.
 

Der kapitalistische Staat ist in Gefahr! Die sozial demokratischen Lakaien der Bourgeoisie melden das blutige Handwerk des konterrevolutionären Hilfsdienstes an. Severing, der sozialdemokratische Reichsinneminister, erklärt seine Bereitschaft, mit dem § 48, mit der Diktatur der weißen Generale zu regieren. Grzesinski, der sozialdemokratische Polizeimmister in Preußen, erläßt „eine letzte Warnung!", in der er das Verbot der Kommunistischen Partei und des Roten Frontkämpferbundes ankündigt. Und die Zörgiebel und Kumpanei zeigen durch Verhängung des kleinen Belagerungszustandes ihre Dienstbereitschaft für die Nöte der Bourgeoisie. Demonstrationsverbote, Versammlungsverbote, Auflösungsdekrete, Prozesse und Polizeischikane, Gummiknüppel und Revolver, Bajonette und Maschinengewehre, Tanks und Drahtverhaue, mittelalterliche Reaktion, polizeistaatliche Notbehelfe, ergänzt und vervollkommnet mit den höchsten „Errungenschaften" der Kriegstechnik, sollen die Staumauer gegen die rote Flut bilden.
 

Aber die Konterrevolution - von Hugenberg bis Hermann Müller, von Adolf Hitler bis Paul Levi von Seldte bis Hörsing - ihre Vertreter, mögen bereitwillige Henkersknechte im Dienste des deutschen Trustkapitals sein, politische Strategen gegen die rote Flut sind sie gewiß nicht. Alle terroristischen Maßnahmen, die das Ansteigen der roten Flut aufhalten sollen, werden zu Elementen des immer stärkeren Anwachsens der roten Klassenfront. Die Konterrevolution konzentriert und stärkt die Kräfte der Revolution. Alle pazifistischen und versöhnlerischen Stimmungen, diese Seifenblasen der reformistischen Ideologie, werden vom Sturme des verschärften Klassenkampfes hinweggefegt.
 

Auf das V. Reichstreffen des Roten Frontkämpferbundes schaut das gesamte internationale Proletariat. Das Reichstreffen der Roten Frontkämpfer demonstriert die Stärke, die Kampf- und Opferbereitschaft für die Befreiung aller Unterdrückten in der ganzen Welt. Abordnungen der revolutionären Kampftruppen aus den wichtigsten europäischen Ländern werden an diesem Tage die Kameraden des Roten Frontkämpferbundes begrüßen.
 

Weit über Ozeane hinweg, in alle Erdteile wird der Massenauftritt der Marschbataillone der roten Klassenfront dringen. Das Reichstreffen der Roten Frontkämpfer in Deutschland ist die Hoffnung und die Siegeszuversicht des Weltproletariats. Die schwielige Arbeiterfaust reckt sich gigantisch über den ganzen Erdball. Das Reichstreffen der Roten Frontkämpfer wird zum Symbol des internationalen Befreiungskampfes. Der Kampfruf „Rot Front" wird zum Schlachtruf der Arbeiter der ganzen Erde. Unter diesem Zeichen füllt das V. Reichstreffen die Barrikadenplätze und Straßen des revolutionären Hamburgs.
 

Was bedeuten gegenüber dieser weltumspannenden, alle Länder und Ozeane überflutenden gigantischen Sturmflut der revolutionären Bewegung die krampfhaften Anstrengungen, mittels Polizeiverbote der Grzesinski und Severing die Bourgeoisie vor ihrem sicheren Untergang zu retten? Keine konterrevolutionäre Macht ist imstande, der Vorhut des internationalen Proletariats und der Vorhut der deutschen Kampfarmee ihre revolutionären Erfahrungen zu „verbieten". „Erlaubt" oder „verboten", legal oder illegal, die Vorhut des internationalen und des deutschen Proletariats wird unter allen Bedingungen, die ihr der Klassenfeind aufoktroyiert, ihre revolutionären Pflichten und verantwortungsvollen Aufgaben im Interesse des internationalen und des deutschen Proletariats erfüllen.
 

Die deutsche Arbeiterklasse und mit ihr der Rote Frontkämpferbund werden den Kampf um die Befreiung der Arbeiter aus dem Joch des Kapitals auch unter dem Belagerungszustand Grzcesinskis weiterführen, noch entschiedener weiterführen als in der Periode der legalen Tätigkeit. Der Strom der Geschichte führt unabwendbar zum Sieg und zum Triumph des revolutionären Proletariats über das Banditentum der Weltbourgeoisie.
 

Das V. Reichstreffen des Roten Frontkämpferbundes in Hamburg ist in erster Linie Heerschau und Generalappell zum Kampfe gegen den drohenden imperialistischen Krieg gegen die Sowjetunion und für die Verteidigung der Sowjetunion.
 

Das V. Reichstreffen des RFB ist zugleich Heerschau und Generalappell zum Kampfe gegen die weiße Diktatur in den kapitalistischen Ländern, gegen den Faschismus, gegen Stahlhelm und Reichsbanner, gegen PoIizeidiktatur und Belagerungszustand.
 

Das V. Reichstreffen des RFB ist Heerschau und Generalappell der revolutionären Kampfgruppe des deutschen Proletariats zum Kampfe für die Befreiung der Arbeiterklasse aus Kapitalsknechtschaft und Unterdrückung.
 

In diesem Bewußtsein marschieren die eisernen Bataillone der roten Klassenfront in Hamburg auf als Künder und Garanten des Sieges des deutschen Proletariats.

Arbeiter zu uns!, Bilderzeitschrift, Berlin o. J.

Thälmann Ernst: Reden und Aufsätze zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung , Band 2, Berlin 1956, S. 30 - 36
 


DKP_Hameln@gmx.net
09.05.2005
"Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt darauf an sie zu verändern." Karl Marx